Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 16.04.2018
Bei Anruf Notfall

16.04.2018 - Es klingelt. In ihrer Schule sei ein Mädchen bewusstlos auf der Toilette aufgefunden worden, meldet sich eine Lehrerin. Es reagiere nicht, sagt sie auf Nachfrage von Wolfgang Maier. Während er mit der Frau spricht, checkt Maier, ob Rettungsdienst plus Notarzt nötig sind, füllt die „Eingabe-Maske“ im PC aus und schickt den Einsatzbefehl raus. „Das bekommen jetzt die Sanitäter und der Arzt direkt aufs Navi“, erklärt der Disponent. Wenig später ist das Mädchen auf dem Weg ins Klinikum.

Immer freundlich bleiben, aber bestimmend, ist die Devise“, sagt Wolfgang Maier. Der 58-Jährige leitet an diesem Montag die Schicht und koordiniert die fünf Kollegen im Leitstand der ILS. Ihm darf ich für eine Momentaufnahme bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Die ILS koordiniert für die Stadt Weiden und die Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth die Einsätze für sämtliche über die Notrufnummer 112 eingehenden Anrufe. Sie ist eine von insgesamt 26 Leitstellen in Bayern. In Sekundenschnelle entscheiden die Disponenten, was zu
tun ist und ob ein Rettungswagen, die Feuerwehr, die Wasserwacht oder ein Hubschrauber losgeschickt werden muss. Dazu nutzen sie modernste Kommunikationsmittel und ein ausgeklügeltes computergestütztes Einsatzleitsystem. „Das lebt vom Füttern. Es kennt 700 Schlagworte“, sagt Maier. „So profitieren wir von einer kurzen Notrufannahme.“

Wolfgang Maier

Datenschutz muss sein
Unverzichtbar ist der Zugriff auf die aktuellsten Straßenkarten, Staumeldungen und die Daten des Deutschen Wetterdienstes. Außerdem muss Maier wissen, welche Fahrzeuge der 225 Feuerwehrwehren im Zuständigkeitsbereich einsatzbereit sind. Ausfälle, Ruhepausen oder Inspektionen – alles wird dokumentiert. Ebenso jeder Anruf und alle Personenangaben. „Der Datenschutz hat oberste Priorität“, sagt Maier.

An dem Vormittag, es ist der erste Schultag nach den Osterferien, bleibt es relativ ruhig. „Vor ein paar Wochen sah das noch anders aus“, erzählt der Schichtleiter. „Während der Grippewelle kamen wir kaum zum Durchschnaufen.“ Die Disponenten arbeiten 12 Stunden im Wechsel, der Schichtleiter 8 Stunden im 3-Schicht-Betrieb. Pausen sind vorgeschrieben und auch notwendig, um die Gespräche mental zu verarbeiten. Nicht immer geht es „nur“ um die Verlegung eines Patienten von A nach B oder die Organisation einer Dialysefahrt.

Wenn Angehörige nach Worten ringend in den Hörer schluchzen, schreien oder gar nichts mehr sagen, dann sind Fingerspitzengefühl gefragt – und klare Anweisungen. „Wir haben auch schon Reanimationen am Telefon angeleitet“, sagt Maier. Die Erfahrung zeige, dass die Leute dankbar sind, wenn ihnen jemand sagt, was zu tun ist. „Wir legen nicht auf und reden so lange, bis die Kollegen des Rettungsdienstes vor Ort sind. Erst dann übergeben wir.“ Der Pressather hat sein Hobby zum Beruf gemacht, wie er sagt. Maier kennt noch die alte Leitstelle, die 1978 beim Josefshaus (heute Caritas) untergebracht war. „Sieben Kollegen waren wir damals, heute beschäftigt die ILS insgesamt 55 Mitarbeiter.“ Er hat, wie viele seiner Kollegen, als Rettungssanitäter angefangen, hat über 600 Einsätze absolviert. „Ich habe das hier wachsen sehen.“ 1985 wechselte er in die Leitstelle. Seit 2012, mit Einweihung der neuen ILS, ist Maier auch Schichtleiter.

40 Jahre im Rettungsdienst
Über 11 000 Ereignisse waren es allein im März. Treten Großschadensereignisse wie Unwetter und Großbrände oder zum Beispiel unklare Situationen wie am vergangenen Sonntag in der Weidener Altstadt auf, dann ist die Leitstelle voll besetzt. Auch stellvertretender ILS-Leiter Jürgen Meyer musste den geplanten Grillabend mit der Familie verschieben. „Wir hatten hier bis weit nach Mitternacht zu tun.“

Heuer sind es 40 Jahre, dass ich im Rettungsdienst arbeite. Und ich kann noch immer sagen, dass ich jeden Tag gerne zur Arbeit gehe. Das liegt vor allem an dem super Team. Jeder der Kollegen hier kann für den anderen einspringen“, sagt Maier. Nur eines habe sich verändert: das Anspruchsdenken in der Bevölkerung. „Wenn jemand die 112 wählt, um zu erfahren, wann die nächste Altkleidersammlung ist, dann kommt einem schon mal der Kümmel.“

Auch häuften sich die Taschenanrufe, bei denen das Smartphone in der Hosentasche aus Versehen losgeht. „Wenn du die Leute dann zurückrufst und sie aufmerksam machst, dann fängst du dir unter Umständen noch einen dummen Spruch ein“, ärgert sich der 58-Jährige. Er würde sich wünschen, dass die Bürger sorgsamer mit der „112“ umgehen. Denn bei einem echten Notfall geht es um Sekunden.

​Von Stephanie Hladik, NT

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