Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 30.06.2010 00:00:00
Neue Indikationen für den Einsatz von Initiativen organisierter Erster Hilfe

30.06.2010 - Ein gebrochener Arm, eine Kopfplatzwunde, eine leichte Kreislaufschwäche. Alle diese Notfälle haben eines gemeinsam: kommt der Rettungsdienst, wird er ohne Notarzt anrücken - und auch ohne das ein "Helfer vor Ort" (kurz: HvO) die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens überbrückt. Seit 2002 rücken die organisierten Ersthelfer nur bei Notarzteinsätzen mit aus. Das soll sich ab 1. Juli testweise wieder ändern und eine noch bessere Versorgung der Bevölkerung mit sich bringen.

Mittlerweile gibt es 23 so genannte "Helfer vor Ort"-Standorte in der Nordoberpfalz. Die meisten betreibt das Rote Kreuz, teils zusammen mit der Feuerwehr. In ihrer Freizeit und ehrenamtlich rücken im Notfall Helfer an und leisten professionelle Erste Hilfe. Sie sichern Unfallstellen ab, geben eine qualifizierte Lagemeldung an die Leitstelle und verkürzen die Zeit in der ein Patient ohne medizinische Versorgung wäre. Und diese Zeit kann lange sein. 15 Minuten beträgt die Hilfsfrist im ländlichen Raum in Bayern. Rettungswachen werden deshalb so verteilt, dass 95 Prozent aller Orte in dieser Zeit erreicht werden können.



Im Bereich der Rettungsleitstelle Weiden gibt es acht Rettungswachen in Erbendorf, Eschenbach, Kemnath, Tirschenreuth, Waldsassen, Vohenstrauß, Neustadt/WN. und Weiden. In Orten wie Wiesau, Mähring, Bärnau oder Windischeschenbach brauchen die Rettungswagen und der Notarzt immer mehr als zehn Minuten. Friedenfels oder Fuchsmühl liegen gar hart an der Grenze der Hilfsfrist. Die ehrenamtlichen und vor allem völlig kostenlosen "Helfer vor Ort" haben hier deshalb schon so manches Leben gerettet. Denn oft zählt jede Minute, zum Beispiel beim Herzkreislaufstillstand.

Doch nicht immer geht es gleich um Leben und Tod. Denn auch ein gebrochenes Bein ist für den Patienten eine Qual, wenn er im Winter auf einer Eisplatte sitzt und zehn Minuten auf den Rettungswagen warten muss. Noch dazu, wenn vielleicht eine Straße weiter der "Helfer vor Ort" stehen würde. Das Dilemma begann 2002 als der Landesausschuss der BRK-Bereitschaften beschloss, dass die HvO's nur noch zu sogenannten Notarzteinsätzen des Rettungsdienstes mitalarmiert werden sollen, und nicht mehr zu Notfalleinsätzen. Das Erstaunen bei den Helfern war damals groß. Diese Entscheidung hat zwar sicherlich keinem Patienten das Leben gekostet, aber vielen Patienten hätte ihr Leid etwas schneller gemindert werden können. Allerdings sind die HvO's nur eine Ergänzung zum regulären Rettungsdienst. Es gab also keine rechtliche Grundlage, eine Alarmierungspflicht durchzusetzen. 

Ab 01. Juli soll für die Patienten nun wieder einiges besser werden. Die Leitungskräfte haben deshalb auf Grundlage des neuen bayerischen Rettungsdienstgesetzes (RDG) beschlossen, zu den meisten Notfällen auch wieder den "Helfer vor Ort" mit zu alarmieren. "Jeder Notfallpatient hat das Recht auf die in diesem Moment bestmögliche Versorgung. Deshalb sind wir froh darüber, dass wir diese Vorgabe nun kippen konnten", freut sich stellvertretender Leitstellenleiter Jürgen Meyer. Dabei geht es nicht nur darum, dass vielleicht der Verletzte der auf der Eisplatte sitzt, auch schnell mit einer Decke versorgt wird. "Unsere Disponenten sind sehr erfahren, aber es passiert immer wieder, dass ein Rettungswagen einen Notarzt benötigt, weil es dem Patienten zwischenzeitlich schlechter geht, als es am Telefon noch beschrieben wurde." Die HvO's sind meist sehr schnell vor Ort, können die Lage einschätzen und so auch schneller einen Notarzt nachalarmieren wenn es nötig ist.

Die neue Vorgabe heißt jedoch nicht, dass der HvO auch sofort kommt. "Einige Standorte bestehen nur aus zwei oder drei Mitgliedern. Diese sind meist nur nachts und am Wochenende erreichbar", ergänzt Leitstellenleiter Herbert Putzer. Dennoch werde künftig sicher vielen Patienten noch schneller geholfen werden. "Die Sanitäter draußen wollen ausrücken und helfen, wenn der Nachbar in Not ist. Jetzt können wir endlich wieder die Grundlage für die Alarmierung bieten." 

HvO-Standorte gibt es übrigens in Eslarn, Grafenwöhr, Püchersreuth, Neustadt/Kulm, Parkstein, Pressath, Tännesberg, Waidhaus, Windischeschenbach, Erbendorf, Fichtelnaabtal, Bärnau, Poppenreuth, Wiesau, Immenreuth, Friedenfels, Plößberg, Pechbrunn, Neualbenreuth, Mitterteich, Mähring, Krummennaab und Fuchsmühl. Der Bereich der Leitstelle Nordoberpfalz hat damit das dichteste Netz an organisierten Ersthelfern in ganz Bayern. "Das müssen wir nutzen", schließt Putzer.

Bericht: Peter Astashenko
Bild: Thomas Fütterer

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