Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 05.07.2010 18:55:21
Zehnjährige ertrinkt im Rußweiher bei Eschenbach

05.07.2010 - Die Suche nach der Abkühlung in Schwimmbäden und Badeweihern fordert bedauerlicherweise immer mehr Opfer. Am 28. Juni musste im Schätzlerbad ein sieben-jähriges Mädchen wiederbelebt werden, nachdem es untergegangen war. Es befindet sich auf dem Weg der Besserung. Am 2. Juli versank ein 22-Jähriger im Badeweiher Waldthurn. Auch seine Wiederbelebung war erfolgreich. Am gestrigen Sonntagabend ertrank ein 44-jähriger im Steinberger See bei Schwandorf, nur eine Stunde davor endete das Leben eines jungen Mannes in einem Badeweiher bei Hauzenberg (Kreis Passau).

Auch am Montag, den 05. Juli, verschonen uns diese fürchterlichen Nachrichten nicht. Es muss irgendwann um 15.20 Uhr herum gewesen sein, als im Rußweiher in Stadt Eschenbach (Kreis Neustadt/WN.) ein zehnjähriges Mädchen in der Nähe einer kleinen Insel im See unterging. Das Mädchen wollte zusammen mit Freunden auf zu der Insel schwimmen. Diese bemerkten, dass die Zehnjährige plötzlich verschwunden war und schrien sofort um Hilfe. Der See ist an dieser Stelle etwa zwei bis zweieinhalb Meter tief. Bademeister, die anwesende Wasserwacht und zahlreiche Badegäste begannen sofort in der Nähe der künstlichen Insel nach dem Mädchen zu suchen. Um 15.24 Uhr erreichte die Rettungsleitstelle Nordoberpfalz der Notruf. Sofort wurden der BRK-Rettungswagen der Wache Eschenbach,  Notarzt Dr. Rainer Jürgens aus Eschenbach, die Wasserwacht Weiherhammer, die DLRG aus Weiden, Wasserwachteinsatzleiter Peter Sirtl und BRK-Einsatzleiter Frank Fleischer alarmiert. Zudem rückte die Feuerwehr Eschenbach mit drei Fahrzeugen und Kreisbrandinspektor Georg Tafelmeier an.

 

Einige Minuten nach Eintreffen von Notarzt und Rettungswagen wurde das Kind von einem mithelfenden Badegast unter Wasser gefunden. Zusammen mit dem Bademeister und dem Fahrer des Rettungswagens zog er den leblosen Körper an Land. Sofort begannen Rettungsassistenten und Notarzt, das Kind zu reanimieren.

Gleichzeitig wurde der Intensivhubschrauber "Christoph Regensburg" an der Uniklinik der Bezirkshauptstadt startklar gemacht. Er nahm einen Kindernotarzt, einen Herzchirurgen sowie eine transportable Herz-Lungen-Maschine mitsamt Techniker an Bord und startete Richtung Nordoberpfalz. So sollten alle medizinisch-technischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, das Leben des Kindes zu retten. Mit der Herz-Lungen-Maschine kann das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und transportiert werden. Ein eventuell schwer gestresstes Herz des Kindes könnte so für eine gewisse Zeit entlastet werden. Zudem kann mit der Maschine die Körpertemperatur gesteuert werden. Bei Ertrinkungsunfällen haben die Verunglückten oftmals dadurch eine Chance das Unglück zu überleben, weil die Kälte des Wassers den Stoffwechsel verlangsamt und so auch das Absterben von Zellen langsamer vor sich geht. Allerdings muss die Erwärmung danach kontrolliert erfolgen, um die bestmöglichen Überlebenschancen zu bekommen.

 

Auch die US-Army half indirekt mit, dass Leben des Kindes zu retten. Der Tower des Flugplatzes Grafenwöhr erteilte "Christoph Regensburg" die (sehr seltene) Genehmigung, direkt über den Truppenübungsplatz - und damit auf dem schnellsten Weg nach Eschenbach - zu fliegen. Normalerweise ist das Gebiet über dem Übungsplatz Flugsperrgebiet vom Boden bis in knapp elf Kilometer Höhe. Für den Überflug des Hubschraubers wurde der Schießbetrieb eingestellt.

Die Feuerwehr kümmerte sich derweil am Sportplatz in Eschenbach um die Absicherung des Landeplatzes und brachte nach der Landung die Spezialisten zur Unglücksstelle. Für die Mutter des Kindes wurde das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes an den Badeweiher geschickt.

Nach dem Eintreffen der Spezialisten aus Regensburg wurde das Kind noch am Badeweiher an die transportable Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. So gelang es nach über eineinhalb-stündiger Reanimation erstmals, das Kind zu stabilisieren und in einen transportfähigen Zustand zu versetzen. Gegen 18 Uhr startete "Christoph Regensburg" mit dem Mädchen an Bord in Richtung Uniklinik Regensburg. Leider waren alle Bemühungen am Ende vergebens. In der Nacht starb das Mädchen in der Klinik.

Hinweise für ein sicheres Badevergnügen finden Sie übrigens hier:
Wasserwacht Bayern oder hier: DLRG/rund-um-die-sicherheit

Bericht: Peter Astashenko
Bilder: bk-media.de

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