Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 26.01.2011 12:40:00
Leitstelle Nordoberpfalz: Das Jahr 2010 in Zahlen


  Jahresbericht 2010 

Jedes Jahr wird es mehr. 40.717 Einsätze hat die Leitstelle Nordoberpfalz 2010 bearbeitet. Über 2000 mehr als noch 2009 und knapp 3500 mehr als noch 2008. Pro Tag sind das rund 111 Einsätze. Der Einsatzstärkste Monat 2010 war dabei der Dezember mit 3523 bearbeiteten Aufträgen.


  Krankentransport und Notfallrettung 
Einen leichten Rückgang musste die Leitstelle Nordoberpfalz bei den Krankentransporten verzeichnen. 13648 Transporte fuhren die Krankenwägen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im vergangenen Jahr. Das sind 443 weniger als noch 2009.

Dennoch sind die Krankenwägen damit gut ausgelastet. Nach dem ersten TRUST-Gutachten vor einigen Jahren wurde die so genannte Vorhaltung reduziert, das heißt, es gibt seitdem weniger Krankenwagen-Dienststunden. Allerdings wurde das TRUST-Gutachten in einem Jahr erstellt, dass sehr niedrige Einsatzzahlen aufgezeigt hatte. Da sich aber vor allem das Krankentransportaufkommen in der Nacht stark erhöht hat, hofft der Zweckverband für die Nachtstunden wieder einen Krankenwagen genehmigt zu bekommen, so wie es ihn bis 2004 gab. Jedoch wollen die Kostenträger hier ein weiteres Gutachten abwarten.

Anders sieht es in der Notfallrettung aus. 13716 Notfälle und Notarzteinsätze gab es 2010. Dies sind 1052 mehr als im Vorjahr. In 183 Fällen wurde auch ein Rettungshubschrauber benötigt. Mit dem Start des neuen „Christoph“ in Weiden zum 01. April diesen Jahres dürfte sich die Zahl massiv verändern. Ein Gutachten erwartet mehr als 1000 Einsätze pro Jahr für die nördliche Oberpfalz. Dies liegt vor allem auch daran, dass der Hubschrauber in manchen Einsatzgebieten der Leitstelle den schnellsten Notarztzubringer darstellen wird.


  Besondere Einsätze 2010 
Einige besondere Einsätze blieben den Einsatzkräften, aber auch der Leitstelle Nordoberpfalz im vergangenen Jahr in Erinnerung. So begann 2010 mit einem der größten Einsätze der vergangenen Jahre.

Am frühen Morgen des 17. Februar 2010 brach im Altenheim St. Martin in Waldsassen ein Feuer aus. Mehrere dutzend Rettungskräfte kümmerten sich um die betroffenen Senioren. Vier Verletzte kamen ins Krankenhaus, rund 30 Senioren mussten betreut werden. Der Einsatz zog sich mehrere Stunden hin.

 

In schrecklicher Erinnerung bleibt den Rettern aus Erbendorf der März und der April. Am 06. und 15. März sowie am 20. April ereigneten sich bei Krummennaab und Erbendorf tödliche Verkehrsunfälle, immer auch mit mehreren Schwerverletzten. Auch in den Folgemonaten kam es im Bereich Erbendorf immer wieder zu Unfällen mit Verletzten, jedoch nicht mehr mit tödlichem Ausgang.

Im Juli dominierten zwei große Suchaktionen das Einsatzgeschehen. Am 08. Juli 2010 wurde im Bereich des Schlosshotels Ernestgrün ein Senior vermisst. Trotz mehrtägiger Suche wurde er bis heute nicht gefunden. Anders bei einer Suchaktion am 22. Juli 2010 in Waidhaus. Zwar brachte die Suchaktion mit Rettungshunden etc. keinen Erfolg, jedoch fand tags drauf eine Spaziergängerin den völlig entkräfteten Mann.

Der 19. September 2010 ging bundesweit durch die Medien. Vermutlich beim Versuch sich und seine Frau zu töten raste ein Mann in der Nähe von Parkstein in ein entgegenkommendes Auto. Er starb, seine Frau wurde lebensgefährlich verletzt. Schwer verletzt wurden auch ihr Mitfahrer und die Kinder im Auto. Der Unfall zog einen Großeinsatz des Rettungsdienstes nach sich. Auch das Kellerhaus zwischen Weiden und Mantel war 2010 immer wieder Schauplatz schwerer Unfälle. Am 22. November 2010 kam dabei auch eine ältere Frau ums Leben.


  Berg- und Wasserrettung 
Obwohl es insgesamt wenig Einsätze sind, so sind die prozentualen Steigerungen bei Berg- und Wasserrettung massiv. 2009 rückten die Bergwachten 20 Mal aus, 2010 waren es 34 Einsätze. Noch deutlicher der Anstieg bei der Wasserrettung. 2009 hatten die DLRG und die vielen Wasserwachten 14 Einsätze. 2010 mussten sie 33 Menschen aus Notlagen retten.

Ein sehr dramatischer Einsatz sorgte dabei für besonderes Aufsehen. Am 5. Juli versank eine Zehnjährige im Rußweiher bei Eschenbach. Nach einer dramatischen Rettungsaktion brachte ein Rettungshubschrauber sie in eine Klinik. Dort verstarb sie jedoch.







  Sonstige Einsatzdienste  
Stabil blieben die Zahlen im Bereich der anderen Einsatzdienste. So waren die Mitarbeiter von Krisenintervention und die Notfallseelsorge im vergangenen Jahr 167 Mal gefordert. 16 Mal wurden Neugeborene mit einem speziellen Transportinkubator in die Kinderklinik Weiden transportiert. Sechs Einsätze hatten die Leitenden Notärzte, die Einsatzleiter Rettungsdienst waren bei 205 Einsätzen koordinierend tätig.


  „KVB“ – ärztlicher Bereitschaftsdienst 
Obwohl es schon seit zehn Jahren die Vermittlungszentralen der Kassenärztlichen  Vereinigung für den ärztlichen Notdienst in München und Bayreuth gibt, viele Patienten kommen mit den Notrufnummern durcheinander oder kennen die Nummer gar nicht. So waren 2010 knapp 2500 Telefonate zu führen, bei denen die Anrufer an den ärztlichen Bereitschaftsdienst weiter verwiesen wurden. In einigen Fällen wurden die Einsätze erfasst und direkt an die Vermittlungszentralen weitergegeben. Vor allem ältere Menschen verlieren hier manchmal den Überblick. Hier greift die Leitstelle helfend ein und kümmert sich nach wie vor darum, dass die Anrufer ärztliche Hilfe erhalten.


  33 Jahre Leitstelle Nordoberpfalz 
Als die Rettungsleitstelle Weiden im Dezember 1977 den Betrieb aufnahm, war es etwas ganz Besonderes. Erstmals wurde der Rettungsdienst in der nördlichen Oberpfalz zentral koordiniert, unter Federführung des Bayerischen Roten Kreuzes. Ebenso besonders war der Schritt des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz den Dienstbetrieb der Rettungsleitstelle zum Jahreswechsel 2010 selbst zu übernehmen. Die Bilanz nach einem Jahr ist jedoch mehr als positiv.

„Wie wird es werden“, fragten sich vor allem die Disponenten zum Jahreswechsel 2010. Weniger im Dienstbetrieb, denn die Aufgabe blieb ja die Gleiche. Doch vor allem die neuen „kurzen Wege“ gefielen. Was früher mit dem Umweg „München“ erledigt werden musste, erfolgt nun im Landratsamt Neustadt. Von der Lohnabrechnung bis zur Beschaffung der IT-Technik – die Infrastruktur der Kreisverwaltung ist absolut leistungsfähig und konnte ohne jegliche Schwierigkeiten alle Aufgaben übernehmen. Die Rezertifizierung des Qualitätsmanagements in der Leitstelle zeigte schließlich eindrucksvoll wie hervorragend gearbeitet wird. Qualitäts-Gutachter Edgar Hofmann empfahl gar, an einem europäischen Wettbewerb teilzunehmen. Denn selbst international wäre die Leitstelle Nordoberpfalz vorne mit dabei, ist er sich sicher.

Landrat Simon Wittmann, als Verbandsvorsitzender oberster Dienstherr der Leitstelle, ist deshalb bei jeder Gelegenheit sichtlich stolz, den Dienstbetrieb der Leitstelle zu verantworten. „Es ist eine unwahrscheinlich kompetente Truppe, die erstklassige Arbeit leistet. So etwas wünscht sich jeder Chef.“ Jede Herausforderung wurde problemlos gemeistert und so blickt Wittmann gelassen dem Start der Integrierten Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz im kommenden Jahr entgegen. Einige Besonderheiten des vergangenen Jahres sind nachfolgend im Detail ausgeführt.


  Stammdatenerfassung – Aus- und Fortbildung 
Zwei Themen bestimmten im vergangenen Jahr den Dienstbetrieb in der Leitstelle Nordoberpfalz: die Stammdatenerfassung für die künftige Integrierte Leitstelle und die Feuerwehr-Ausbildung der Mitarbeiter. Vor allem bei der Datenerfassung lief dabei nicht immer alles reibungslos. Stammdatenerfassung heißt, dass für die komplette nördliche Oberpfalz Alarmzonen eingerichtet werden. Für jeden Ort und rein theoretisch für jedes Haus wird ein Alarmplan erstellt. Für den Rettungsdienst gestaltet sich dies noch recht übersichtlich. Anders bei den rund 250 Feuerwehren. Sie müssen festlegen, wer zu welchem Einsatz fährt, wer bei welchen Alarmstichworten zu alarmieren ist. Bei Sitzungen in Kaltenbrunn und in Erbendorf wurde dabei den Verantwortlichen nicht nur gezeigt, wie diese Planung vonstatten geht, sondern auch schon erste Probleme gelöst. Denn Landkreisgrenzen gibt es in der künftigen Integrierten Leitstelle nicht mehr. Wer am schnellsten am Einsatz ist, fährt dorthin. Erstaunlicherweise gab es kaum Konflikte wegen örtlichen Zuständigkeiten. Einzige Ausnahme ist der Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Dort gibt es zwar die „Lagerfeuerwehr“, diese zählt offiziell aber nur als Selbsthilfegruppe, nicht einmal als Werksfeuerwehr. In mehreren Gesprächen konnten die aufgetretenen Probleme jedoch gelöst werden. Was aber für das gesamte Gebiet bleibt ist eine immense Datenmenge, die in das Einsatzleitsystem ELDIS Bayern III eingepflegt werden muss. Zwei Mitarbeiter der Leitstelle sind ausschließlich damit beschäftigt.

 

Da das System auch die Möglichkeit bietet, Einsatzorte auf einer digitalen Karte anzuzeigen, müssen alle Daten auch für diese Option verarbeitet werden. Allein dies bedeutet einen mehrmonatigen Aufwand. Mehrere zehntausend Seiten Daten sollen so bis Jahresende erfasst sein. Erst danach kann mit dem Probebetrieb und schließlich 2012 mit dem Betrieb der Integrierten Leitstelle begonnen werden. Feuerwehr und Rettungsdienst werden dann von einer Einsatzzentrale heraus geführt.

Einen wichtigen Schritt haben dabei die Disponenten bereits getan. Bis auf zwei Mitarbeiter haben alle die Ausbildung zum Hauptbrandmeister abgeschlossen. Die sieben und zehn Wochen langen Lehrgänge zerrten dabei sehr am Personal. Nicht nur weil die Lehrgänge so anstrengend waren, sondern auch, weil das restliche Personal den Dienstbetrieb aufrecht erhalten musste. Aber als eine der wenigen Leitstellen in Bayern schafften es die Weidener binnen eines Jahres alle Mitarbeiter fortzubilden. Leitstellenleiter Herbert Putzer war fast das ganze Jahr auf Lehrgang. Dafür ist er nun auch Brandoberinspektor – mit der Note 2,43 sogar einer der Besten in Bayern. 2011 werden alle Disponenten noch eine siebenwöchige Ausbildung an der staatlichen Feuerwehrschule in Geretsried besuchen. Hier werden sie auf das neue Einsatzleitsystem ELDIS III Bay. und einige Besonderheiten der neuen Aufgabe vorbereitet.


  Interhospitaltransfer 
687 Mal mussten Patienten mit Arztbegleitung im vergangenen Jahr von Krankenhaus zu Krankenhaus verlegt werden. Das sind 137 solcher Einsätze mehr als noch 2009. Grund ist vor allem eine geänderte Versorgungsstrategie der Kliniken Nordoberpfalz AG. So werden viele Patienten zwar in Weiden versorgt, die Weiterbehandlung findet jedoch in den Außenhäusern statt. Zudem führt die enge Zusammenarbeit mit dem Klinikum Amberg und der Uniklinik Regensburg dazu, dass viele Patienten dorthin verlegt werden. Es ist davon auszugehen, dass diese hohen Verlegungszahlen auch weiterhin erhalten bleiben.


  „Helfer vor Ort“ 
Der Bereich der Leitstelle Nordoberpfalz ist der bayerische Leitstellenbereich mit den meisten „Helfer vor Ort“-Standorten, sprich Einrichtungen organisierter Erster Hilfe, die die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. 23 gibt es in den Landkreisen Neustadt/WN. und Tirschenreuth. 2009 wurden sie 1961 Mal alarmiert. 2010 waren es 2792 Mal, sprich 831 Einsätze mehr. Der Anstieg kommt vor allem dadurch zustande, dass die Leitstelle Nordoberpfalz (Weiden) seit Juli 2010 nach einer neuen Richtlinie alarmiert, die vorsieht dass „Helfer vor Ort“ auch zu Notfalleinsätzen mitzualarmieren sind, sofern sie einen Zeitvorteil haben. Vor allem im Schneereichen Dezember konnten sie oft sehr schnell Patienten erreichen, während sich Rettungswagen und Notarzt durch den Schnee kämpften und teils drei Mal so lang brauchten als üblich. Bei den Standorten selbst wird die neue Alarmierungs- Richtlinie der Leitstelle sehr begrüßt.


  Ausblick 2011 
So spannend das vergangene Jahr war, umso spannender wird 2011. Rettungshubschrauber, Hangarbau, Probebetrieb der ILS, Umzug in neue Räume - es wird ein bewegtes Jahr. Die Nordoberpfalz bekommt heuer einen neuen Rettungshubschrauber.

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz konnte sich bei der Vergabe durchsetzen, der Standort wird Weiden. Dazu fiel der Entschluss, das medizinische Assistenz-Personal selbst zu stellen. Dies bedeutet drei neue Arbeitsplätze in der Region. Im Februar werden die dafür ausgewählten Rettungsassistenten für ihre Aufgabe geschult, am 01. April 2011 soll der neue „Christoph“ das erste Mal vom Flugplatz in Latsch aus abheben. Gleichzeitig wird der Zweckverband damit beginnen einen neuen Hangar zu bauen. Bis zum Herbst soll der Einzug der Luftrettungsstation dort erfolgen.



Doch auch die Leitstelle selbst wird im Herbst umziehen. Von den bisherigen Räumen in der Ulrich-Schönberger-Straße in Weiden einen Stock höher in den neuen Einsatzleitraum. Die Umbauarbeiten laufen bereits seit einem halben Jahr. Bis die gesamte Technik eingebaut ist, wird aber noch einiges an Zeit vergehen. Nach dem Umzug soll auch die Integrierte Leitstelle im Probebetrieb starten. Das heißt, die Lenkung des Rettungsdienstes soll bereits über das neue Leitsystem erfolgen. Im Frühjahr 2012 kommt dann die Einsatzlenkung der Feuerwehr dazu. Dann erfolgt der Vollbetrieb. Bis dahin müssen aber auch die Mitarbeiter noch einmal die Schulbank drücken. Alle Disponenten erhalten in der staatlichen Feuerwehrschule Geretsried in einem sieben Wochen dauernden Lehrgang die Einweisung in ihre neue Aufgabe. In Weiden wird die Firma „Eurofunk Kappacher“, die das Einsatzleitsystem herstellt, die Mitarbeiter noch weiter einweisen.

Umgestellt wird dann auch der Dienstbetrieb. Derzeit wird im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. Die Integrierte Leitstelle soll im Zwei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr funktionieren. Auch hier kommt noch einiges an Arbeit auf die Leitstellenleitung zu.

Download: Jahresbericht 2010 - RLSt Nordoberpfalz

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