Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 09.01.2014
Noch schnellere Helfer - Hintergrund

09.01.2014 - Herzinfarkt, Schlaganfall oder Unfall - schnelles rettungsdienstliches Handeln ist in unzähligen Situationen täglich in der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz gefragt. Und genau deshalb sollen die Retter künftig (noch) schneller kommen. Das hat sich jedenfalls der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz vorgenommen. 

Zur Optimierung will man künftig neun statt bisher acht Rettungswachen im Versorgungsbereich der ILS Nordoberpfalz stationieren und zwei Rettungswachen räumlich verlagern: So soll die Wache in Waldsassen nach Mitterteich, an eine verkehrsgünstige Lage zur Kreuzung der Bundesstraßen 15 und 299 wandern und der RTW der Wache Vohenstrauß nach Lohma (Gemeinde Pleystein) verlegt werden. Der Standort der ehrenamtlichen BRK-Gemeinschaften sowie der Notarztstandort in Waldsassen und Vohenstrauß ist damit nicht betroffen. "Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber es gab keine andere Lösung", erklärte der Vorsitzende, Neustadts Landrat Simon Wittmann, bei einem Pressegespräch am 07.01.2014 in der ILS Nordoberpfalz. Gleichzeitig betonten die ZRF-Vertreter, dass sich die Versorgung in der Nordoberpfalz insgesamt verbessere. „Eine Rettungswache ist keine Infrastruktureinrichtung für eine Gemeinde, sondern für eine Region", betonten die Verantwortlichen.

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Die „Idee", die Rettungswachen Waldsassen und Vohenstrauß zu verlagern, hatte nach ihrem Bekanntwerden für heftige Irritationen gesorgt - unter anderem von den Bürgermeistern. "Man hatte dort offenbar das subjektive Gefühl, dass etwas weggenommen wird", erläutert ZRF-Geschäftsleiter Alfred Rast. „Die Menschen in Eslarn, Fuchsmühl oder Wiesau haben den gleichen Anspruch auf schnelle Hilfe", erklärt Herbert Putzer der Leiter der ILS. „Viele Einsatzstellen sind künftig durch die drei neuen Standorte schneller zu erreichen", stellt der stv. Leiter der Leitstelle, Jürgen Meyer fest. Dr. Florian Neuhierl (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst) unterstützt die Entscheidung des ZRF Nordoberpfalz. Somit seien endlich alle Patienten in der Fläche gleichermaßen gut versorgt, so Neuhierl. "Wir haben ein gewaltiges Ziel erreicht.

Im Klartext
Für die Region bedeutet die Verlagerung der beiden Rettungswachen und die Neuerrichtung der künftigen Wache Weiden-Süd eine Optimierung, ohne dass diese eine Verschlechterung nach sich ziehen würde. 

Hintergrund
Das Bayerische Staatsministerium des Innern und die Sozialversicherungsträger in Bayern beauftragten im Januar 2011 das Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement – Klinikum der Universität München (INM) zum Jahresbeginn 2010 eine sukzessive Nachbetrachtung des Rettungsdienstbereiches Nordoberpfalz durchzuführen. Der Beobachtungszeitraum umfasste zwölf Kalendermonate (01.04.2011 – 31.03.2012).

In diesem Beobachtungszeitraum wurden von der Leitstelle Nordoberpfalz insgesamt 27.174 Notfalleinsätze (65,5 %), 12.839 Krankentransporte (31,0 %) sowie 848 arztbegleitete Patiententransporte (2,0 %) disponiert. Zusätzlich wurden 610 Ereignisse (1,5 %) als „sonstige Einsätze" (Dienstfahrten, Gebietsabsicherungen, Werkstattfahrten) dokumentiert. Bezogen auf die Einsatzmittelart bestritten RTW 46,7 % aller genannten Einsätze, KTW waren zu 19,2 % beteiligt. Die übrigen Einsätze verteilten sich auf NEF (20,5 %), RTH/ITH (1,9 %), HVO/FR (8,8 %) und sonstige Fahrzeuge (2,8 %). Das höchste Einsatzaufkommen wurde im Landkreis Neustadt a. d. Waldnaab mit 15.738 Einsätzen dokumentiert. Ein ähnlich hohes Einsatzaufkommen wies der Landkreis Tirschenreuth mit 14.154 Einsätzen auf. Weniger Einsätze wurden in der kreisfreien Stadt Weiden (11.579 Einsätze) festgestellt.

Im Beobachtungszeitraum der INM-Nachbetrachtung fanden im Hauptort der Gemeinde Eslarn insgesamt 183 Notfallereignissen statt. Insgesamt wurden dort 80 Überschreitungen der 12-Minuten-Fahrzeit dokumentiert. Demnach konnte im Beobachtungszeitraum nahezu jedes zweite Notfallereignis (!) nicht innerhalb einer Fahrzeit von zwölf Minuten durch ein Rettungsmittel erreicht werden. 

Aufgrund der Verteilung der Notfälle im Versorgungsbereich der Rettungswache Vohenstrauß wird durch die Gutachter, hinsichtlich einer besseren Erreichbarkeit der Notfälle und um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, eine Verlagerung der Rettungswache Vohenstrauß in die Teilgemeinde Lohma empfohlen. Durch diese Maßnahme wird die Erreichbarkeit der Gemeinden Eslarn und Waidhaus hinsichtlich der Einhaltung der 12-Minuten-Frist unverkennbar verbessert. Auch der Einsatzschwerpunkt Vohenstrauß bleibt weiterhin innerhalb einer Fahrzeit von maximal zwölf Minuten durch das Rettungsmittel erreichbar, sodass von einer sicheren rettungsdienstlichen Versorgungssituation auszugehen ist.

     INM_Vohenstrauß

Auch die Analyse für den Versorgungsbereich Waldsassen ergab, sowohl in Hinblick auf den Erreichungsgrad der 12-Minuten-Frist, als auch bei der Analyse gleichzeitig durchgeführter Notfalleinsätze, jeweils ausreichende Kennzahlen, die für eine Verlegung der Rettungswache nach Mitterteich sprechen. Auswertungen zeigen deutlich, dass die Einsatzschwerpunkte innerhalb des Versorgungsbereiches nicht optimal erreicht werden können. Die Gemeinde Mitterteich, die mit 586 Notfallereignissen im Beobachtungszeitraum den absoluten Einsatzschwerpunkt innerhalb des Versorgungsbereiches darstellte ist zwar in der Regel innerhalb einer Fahrzeit von zwölf Minuten zu erreichen, der südlich gelegene Hauptort der Gemeinde Wiesau ist jedoch nur eingeschränkt innerhalb einer Fahrzeit von 12 Minuten durch den RTW der Rettungswache Waldsassen zu erreichen. Die Gemeinde Fuchsmühl ist derzeit ebenfalls nicht regelhaft innerhalb einer Fahrzeit von 12 Minuten zu erreichen.

     INM_Waldsassen

Um eine verbesserte Erreichbarkeit insbesondere der Gemeinden Luhe-Wildenau und Weiherhammer zu erreichen, empfiehlt das Gutachten, die Vorhaltung eines zweiten RTW nicht wie bisher an der Rettungswache Weiden zu erbringen, sondern eine neue Rettungswache im südlichen Stadtbereich Weidens, in verkehrsgünstiger Lage, zu den Staatsstraßen 2238 sowie 2657 (Ullersrichter Kreuzung) zu errichten. Die Errichtung der Rettungswache Weiden-Süd gewährleistet künftig eine handfeste verbesserte Versorgung der Gemeinden Luhe-Wildenau, Kohlberg und Weiherhammer.

 INM_Weiden
Die Karte zeigte den Versorgungsbereich Weiden nach Etablierung einer Rettungswache Weiden-Süd.

Bild und Datenquelle:
Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement (INM)
Klinikum der Universität München
Bericht: Jürgen Meyer

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