Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 07.01.2014
Entscheidung für die Region getroffen

07.01.2014 - Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Nordoberpfalz hat seine Entscheidung verteidigt, die Rettungswachen Vohenstrauß und Waldsassen zu verlegen. "Es gab keine andere Lösung", erklärte der Vorsitzende, Neustadts Landrat Simon Wittmann, bei einem Pressegespräch in der ILS Nordoberpaflz. Gleichzeitig betonten die ZRF-Vertreter, dass sich die Versorgung in der Nordoberpfalz insgesamt verbessere.

Wittmann und seine Stellvertreter - Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert - betonten, sie stünden hinter der "schweren Entscheidung". Der Zweckverband hatte im November 2013 umfassende strukturelle Änderungen beschlossen. Demnach gibt es seit wenigen Wochen einen zusätzlichen 24-Stunden-Rettungswagen in Weiden. Dieser soll künftig in einer neuen Wache stationiert werden, vermutlich im Bereich um die Ullersrichter Kreuzung.

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Es ist keine Infrastrukturentscheidung für eine Gemeinde - sondern für eine Region. Gegen Kritik wehrten sich (von links): Herbert Putzer (Integrierte Leitstelle), die Landräte Wolfgang Lippert (Tirschenreuth) und Simon Wittmann (Neustadt), Alfred Rast (Geschäftsleiter Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralamierung), Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß sowie Dr. Florian Neuhierl (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst).

Die Wache in Vohenstrauß wird dagegen nach Lohma (Stadt Pleystein) verlegt; die in Waldsassen nach Mitterteich. Beides hatte zu heftiger Kritik -unter anderem von den Bürgermeistern von Vohenstrauß und Waldsassen- geführt. Die ZRF-Vertreter betonten dagegen, dass sich nur so Lücken in der Versorgung schließen ließen. Die Verlegung nach Lohma garantiere eine bessere Verkehrsanbindung. So sei besonders der Einsatzschwerpunkt um Eslarn von dort besser erreichbar.

Im Osten des Einsatzgebiets erreiche Hilfe die Patienten bislang zu oft nicht innerhalb der vorgegebenen Frist von zwölf Minuten (nach Ausrücken). Die westlichen Gebiete im Bereich der Rettungswache sollen trotz der Verlagerung weiter innerhalb der Frist erreichbar sein.

Im Zweifel haftbar
Ähnlich lautet auch die Argumentation bei der zweiten Verlegung: Von Waldsassen aus seien bislang Gebiete im Westen (besonders Fuchsmühl und Wiesau) zu oft zu spät erreicht worden. Dies ändere sich durch den Standort Mitterteich, der besser an die Bundesstraßen und die Autobahn angebunden sei. Allerdings, räumt Lippert ein, könnte hier die Verlegung westwärts nicht ganz problemlos werden. "Ich sehe Nachteile für die Bewohner von Neualbenreuth." Die östlichen Gebiete dort seien zwar auch künftig noch innerhalb von zwölf Minuten zu erreichen, es werde aber knapper. Deshalb werde man die Auswirkungen dort genau beobachten und notfalls schnell reagieren. Alle drei neuen Wachen sollen - nach einer Ausschreibung - den Betrieb Ende 2015 aufnehmen.

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Grundlage für die Entscheidung war ein Gutachten, das die Verlegungen, wie auch die zusätzliche Wache in Weiden und eine Stundenerhöhung für den Krankentransport in Tirschenreuth, empfohlen hatte. Wissenschaftler hatten dafür im Auftrag des Innenministeriums die Einsatzdaten eines Jahres in der Nordoberpfalz ausgewertet. Dabei seien auch die zu häufigen Frist-Überschreitungen zutage getreten. Damit hatte der ZRF laut OB Seggewiß auch juristisch nicht mehr viele Möglichkeiten gehabt, als den Empfehlungen zu folgen - der Verband sei schließlich haftbar, wenn er bei bekannten Problemen nicht einschreite.

"Gewaltiges Ziel erreicht"
Unterstützung für die Entscheidung sprachen auch Herbert Putzer (Integrierte Leitstelle) und Dr. Florian Neuhierl (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst) aus. Somit seien endlich alle Patienten in der Fläche gleichermaßen gut versorgbar, so Neuhierl. "Wir haben ein gewaltiges Ziel erreicht."

Perspektive (ein Kommentar von Franz Kurz)
Es ist alles eine Frage der Perspektive: Wer als Vohenstraußer oder Waldsassener die dortigen Rettungswachen kennt, denen gute Arbeit attestiert wird, mag nur den Kopf schütteln, wenn diese nun verlegt werden sollen. Wer in Neualbenreuth lebt, mag gar entsetzt sein, dass er künftig etwas länger auf Hilfe im Notfall warten muss. Dass von hier Kritik an den Entscheidungen des Zweckverbandes kommt, ist nur zu verständlich. Der Blickwinkel des Verbandes ist aber ein anderer: Er muss – schon aus Haftungsgründen – an die gesamte Region denken. Also auch an Gemeinden, die bislang nachweisbar zu selten innerhalb der vorgeschriebenen Frist erreicht wurden. Er muss sich daher objektiv an Daten und Fakten orientieren. Nicht an lokalen Vorlieben. Verständlich. Ob er tatsächlich richtig liegt, wird sich erst noch zeigen – und sich dann auch objektiv an Zahlen messen lassen. Immerhin eins lässt sich allerdings jetzt schon festhalten: Durch die Entscheidung gibt es in der Region eine Rettungswache mehr. Das ist in jedem Fall ein Gewinn – aus der Perspektive der Nordoberpfalz insgesamt.

Quelle: Der Neue Tag, Franz Kurz
Bilder: Jürgen Meyer

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