Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 07.08.2010 08:36:46
Handy-Technik für Retter

07.08.2009 - Bei Handys ist sie schon immer selbstverständlich: Digitale Übertragungstechnik, bei der viele Gespräche gleichzeitig auf einer Frequenz über einen Funkmast laufen. Ausgerechnet die "Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)", sprich Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste oder THW, müssen sich bis heute aber mit dem analogen Funk aus den sechziger Jahren herumschlagen. Hauptnachteil: Jede BOS kommuniziert auf einer anderen Frequenz. Vor allem im Katastrophenfall eine Katastrophe: Direkte Sprechverbindungen zwischen den Helfern sind nicht möglich.

Das soll jetzt endlich anders werden: Der europaweite Digitalfunk-Standard "TETRA" wird in den nächsten Jahren auch in Deutschland eingeführt. Weil das so wichtig ist, informierte der Bayerische Innenstaatssekretär Gerhard Eck Ende Juli im Landratsamt Tirschenreuth alle Betroffenen und die Öffentlichkeit über die Medien. Angesichts der "irrationalen Ängste vor dem Mobilfunk" behandelte man die Sache zuerst wie ein Geheimprojekt. Das sei ein Fehler gewesen, ärgerte sich der kommunalpolitisch erfahrene Staatssekretär, der schon Bürgermeister im Landkreis Schweinfurt war: "Wir müssen die Menschen im Boot haben." Man baut jetzt auf Information. Nicht überall sei dabei die Kooperation mit den Landkreisen so problemlos möglich wie in Tirschenreuth, lobte Gerhard Eck.  

Der BOS-Funk funktioniert wie das bewährte GSM-Mobiltelefon nach dem Zeitmultiplexverfahren. Dabei werden seriell auf der gleichen Frequenz Funkverbindungen mit mehreren Teilnehmern gleichzeitig aufrechterhalten. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass bei einem Großschadensereignis oder einem Amoklauf alle beteiligten Kräfte der verschiedenen Organisationen von der Einsatzleitstelle gezielt zu einer "geschlossenen Benutzergruppe" gebündelt werden können. Sprich: eine Funk-Konferenz, bei der jeder Bescheid weiß, was der andere gerade macht.

Das hat noch einige andere Vorteile: Die zurzeit etwa 3500 Antennen der verschiedenen Organisationen werden durch nur etwa 950 einheitliche Antennen ersetzt. Und die können durch die automatische Fehlerkorrektur beim digitalen System mit einer um ein Vielfaches geringeren Leistung bei gleichzeitig wesentlich besseren Sprachqualität senden. Die berüchtigten Funklöcher sollen damit der Vergangenheit angehören. Integriert ist auch eine GPS-Ortung des Senders und die Möglichkeit zur gleichzeitigen Datenübertragung, etwa von Karten vom Einsatzort. Zudem kann man die BOS-Gespräche nicht mehr mit einem billigen Kurzwellenempfänger aus dem Elektronikmarkt mithören.

Etwa 850 Millionen Euro kostet der Netzaufbau den Freistaat Bayern, davon werden 20 Prozent vom Bund gefördert. Organisationen wie das THW müssen zwar die Funkgeräte selber beschaffen, bekommen aber 80 Prozent des Preises gefördert. Nur noch als Rückfallebene dienen bald die vielen Analog-Antennen der künftigen ILS Weiden: Eine einzige Digital-Antenne bei der Wetterstation wird künftig ausreichen.

Von der Umstellung betroffen ist natürlich auch die neue Funkzentrale der Polizei in Regensburg, die gerade erst die in Weiden und Amberg abgelöst hat, sowie die zurzeit in der Umsetzung befindliche Integrierte Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz in Weiden, die Feuerwehr und Rettungsdienst zusammenfassen wird. Hier muss man anfangs noch zweigleisig fahren. Zum Glück konnte man die neue Technik schon rechtzeitig bauseitig vorsehen, so dass der Übergang reibungslos vonstatten gehen soll. Ende 2012 soll der Netzaufbau des BOS-Funks in Bayern abgeschlossen sein, so Gerhard Eck. Freilich wird es dann noch einige Jahre dauern, bis die analoge Zeit endgültig vorüber ist.

Bilder und Bericht: Harald Mohr

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