Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 31.01.2012 13:31:26
Turbulentes Jahr für Leitstelle Nordoberpfalz

31.01.2012 - Es war ein turbulentes Jahr, mit viel Ausbildung, dem ersten Start von „Christoph 80“ und den finalen Planungen für die „Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz“, kurz ILS. Die Bilanz 2011 der Rettungsleitstelle kann sich auch 2011 sehen lassen, trotz manchmal widriger Umstände. Am Dienstag stellte ZRF Verbandsvorsitzender und Landrat Simon Wittmann, ZRF Geschäftsleiter Alfred Rast, Leitstellenleiter Herbert Putzer und dessen Stellvertreter Jürgen Meyer den Jahresbericht 2011 der Rettungsleitstelle vor.

43.487 Einsätze wurden koordiniert, mehr als hunderttausend Telefonate geführt. Und am 23. April wird die Integrierte Leitstelle (ILS) starten!



Weiterqualifizierung dominierte
Auch 2011 galt es eine Vielzahl an Ausbildungen für das Personal der Leitstelle zu bewältigen. Jeder Disponent muss nicht nur Rettungsassistent sein oder einen Angleichungslehrgang besuchen, er muss auch Hauptbrandmeister werden. Für die Mitarbeiter heißt dies sieben Wochen Feuerwehrgrundausbildung, zehn Wochen Lehrgang an einer Feuerwehrschule um das Wissen eines Hauptbrandmeisters zu erlangen. Bevor die Integrierte Leitstelle ihren Betrieb aufnimmt, müssen alle Disponenten die schon Hauptbrandmeister sind, für sieben Wochen an die staatliche Feuerwehrschule Geretsried. Dort werden sie auf Ihre neuen Aufgaben vorbereitet. Zwei der neuen Kollegen wurden zu Rettungssanitätern ausgebildet und werden 2012 einen Angleichungslehrgang zum Rettungsassistenten besuchen.
 
Fünf Disponenten machten 2011 zudem die Ausbildung zum HEMS Crew Member  (kurz: HCM), sprich zum Luftrettungsassistenten. Eine Woche Theorie, zehn Einsätze mitfliegen und diverse kleinere Schulungen. Nur so hochqualifiziert ist es ihnen möglich auch auf „Christoph 80“ zu arbeiten. Gleichzeitig sind sie im Wechsel aber auch als Disponenten in der Leitstelle eingesetzt. Fertig ausgebildet haben sie dann drei Qualifikationen für ihre Aufgabe: Hauptbrandmeister, Rettungsassistent und HCM.



Das Jahr 2011 in Zahlen
Jedes Jahr wird es mehr. 43.487 Einsätze hat die Leitstelle Nordoberpfalz 2011 bearbeitet. Über 2700 mehr als noch 2010 und knapp 4800 mehr als noch 2009. Pro Tag sind das rund 119 Einsätze. Der Einsatzstärkste Monat 2011 war dabei der Juli mit 3946 bearbeiteten Aufträgen.

15.078 Notfälle waren dabei (2010: 13.716) und 13.565 Krankentransporte (2010: 13.648). Damit stiegen die Notfalleinsätze erneut an. „Christoph 80“ flog 794 Einsätze, insgesamt wurden 951 Luftrettungseinsätze disponiert. Die Wasserrettung war acht Mal gefordert, die Bergrettung 16 Mal. Beide Bereiche hatten weit weniger zu tun als noch 2010. Krisenintervention und Notfallseelsorge waren mit 188 Mal 21 Mal öfter gefordert als noch 2010. 16 Frühgeborene wurden mit Inkubator transportiert, 54 Intensivpatienten mit einem speziellen Intensivmobil. 

200 Einsätze erforderten einen Einsatzleiter, sieben gar einen leitenden Notarzt. In Tschechien waren die Nordoberpfälzer Retter 182 Mal. Die schnellen „Helfer vor Ort“, die die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken, rückten 3561 Mal aus. 23 Standorte gibt es in den Landkreisen Neustadt/WN. und Tirschenreuth. Der Bereich der Leitstelle Nordoberpfalz ist der bayerische Leitstellenbereich mit den meisten „Helfer vor Ort“-Standorten.

Internistische Notfälle waren insgesamt 5526 dabei, Verkehrsunfälle 956. In Betrieben ereigneten sich 301 Unfälle und in Schulen oder auf dem Schulweg 52. Hier sind die Trends identisch zum Vorjahr.

Der größte Einsatz 2011 war der Großbrand in Kornthan im Landkreis Tirschenreuth. Zwei Bauernhöfe waren hier am 6. August in Brand geraten. Neben über hundert Feuerwehrleuten, waren knapp hundert Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes vor Ort. In zwei Behandlungsplätzen mussten sie auch mehrere Verletzte versorgen, die im Laufe des fast mehrstündigen Einsatzes auftauchten.

Baufortschritt Integrierte Leitstelle
Für die Disponenten der Leitstelle Nordoberpfalz war es vor allem deshalb ein anstrengendes Jahr, weil sie mit sehr beengten Verhältnissen zurecht kommen mussten. Umkleiden, Büros und selbst die Küche wurden zugemauert um für den Umbau Platz zu schaffen. So konnten die Bauarbeiten für die neue Integrierte Leitstelle Schritt für Schritt voran gehen. Allerdings verzögert. Der Förderbescheid kam zu spät, mit einzelnen Gewerken gab es Probleme bei der Umsetzung. So wurde relativ früh der Start der ILS nach hinten verschoben. Geplant ist nun der 23. April. Ab dann wird auch die Notrufnummer 112 in der ILS auflaufen. Schon Wochen vorher beginnt der Schulungs- und Probebetrieb.

Seit November wird die aufwendige Leitstellentechnik eingebaut. Sechs Einsatzleitplätze gibt es, dazu sechs Ausnahmeabfrageplätze (AAP). Bis Ende Februar wird der Einbau beendet sein. So können ab Anfang März die Disponenten durch die Firma eurofunk Kappacher aus Österreich in der Anwendertechnik geschult werden.

Damit die ILS dann auch problemlos läuft, braucht es nicht nur Technik, sondern auch Personal. Vier neue Disponenten wurden 2011 deshalb neu eingestellt. Zwei davon fliegen im Wechsel auch auf „Christoph 80“. 14 Disponenten haben ihre Ausbildung abgeschlossen. Obwohl sie erfahrene Leitstellen-Mitarbeiter sind, ist eine ILS eine neue Herausforderung, da es ja dann auch gilt, Feuerwehreinsätze zu begleiten. Nach Feuerwehrgrundausbildung und Weiterbildung zum Hauptbrandmeister, muss jeder Disponent sieben Wochen in die Staatliche Feuerwehrschule Geretsried. In der dortigen Übungsleitstelle erfolgt der „Feinschliff“. Zum Start der ILS sind damit schon zwei Drittel des Personals fertig qualifiziert. Mehr als es in jeder anderen bayerischen ILS zum Start der Fall war!

Für Großschadenslagen gibt es auch eine Unterstützungsgruppe ILS, die im Bedarfsfall Notrufe entgegen nimmt. Die 18 Mitglieder dieser Gruppe wurden 2011 speziell geschult. Im Dezember wurden sie geprüft, in den nächsten Wochen werden sie noch in das komplexe System eingewiesen.

2011 war auch die Stammdatenerfassung noch ein großes Thema. Denn das Einsatzleitsystem braucht „Futter“ in Form riesiger Datenmengen. Rein theoretisch wird für jeden Straßenzug in der Nordoberpfalz ein eigener Alarmplan hinterlegt. Vor allem mit den Feuerwehren war hier viel Abstimmung notwendig.

Mitte September 2012 kann sich die Bevölkerung bei einem „Tag der offenen Tür“ ein Bild von der komplexen neuen Einsatzzentrale machen. Bis dahin wird auch der zweite Bauabschnitt beendet sein. Ab Mai wird der Verwaltungstrakt errichtet.

Start von Christoph 80
Es war sicher das Thema, dass die Bevölkerung am meisten wahrnahm: der erste Start von „Christoph 80“. Am 1. April 2011 startete der Rettungshubschrauber zu seinem ersten Einsatz, übrigens unmittelbar, nachdem er den kirchlichen Segen erhalten hatte. Betrieben wird die Station von der DRF Luftrettung.

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz stellt die sechs fliegenden Rettungsassistenten. Die 16 Ärzte kommen aus dem Klinikum St. Marien Amberg und der Kliniken Nordoberpfalz AG.

Für die Disponenten der Rettungsleitstelle Nordoberpfalz boten sich mit der Stationierung viele neue Möglichkeiten. Mit dem Rettungshubschrauber gibt es einen weiteren schnellen Notarztzubringer und ein schnelles Transportmittel für Patienten, die in eine Spezialklinik mussten. 794 Einsätze flog „Christoph 80“ von April bis zum Jahresende.  

Über zwei Millionen Euro nahm der Zweckverband in die Hand und baute das neue Zuhause des Rettungshubschraubers. Am 04. Dezember zog die Crew aus ihrer Interims-Station in den Hangar am Flugplatz Latsch. Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist fast alles fertig. Für den 19. Mai ist ein Tag der offenen Tür geplant.

Aber nicht nur in der Nordoberpfalz war der Hubschrauber unterwegs. Auch die umliegenden Leitstellen griffen oft auf die Oberpfälzer Luftretter zurück. Die weitesten Primäreinsätze führten bis kurz vor Zwickau oder in den Landkreis Schwabach. Die Patienten wurden teils sogar bis Erfurt oder München geflogen. Ein Einsatz führte auch nach Tschechien. Wegen der noch ungeklärten Rechtslage sehr wenig, obwohl rund 20 Prozent des 60-Kilometer-Einsatzradius im östlichen Nachbarland liegen. Der 60-Kilometer-Radius ist dabei eine Planungsgröße für die Stationierung. 60 Kilometer legt der Hubschrauber in 15 Minuten zurück.

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