Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 10.02.2017
Saufen, bis der Notarzt kommt

10.02.2017 - „Patient first“, sagt Alfred Rast in Anlehnung an den neuen US-Präsidenten Donald Trump. Und mit „Sicherheit ist unser Job“ hat der Geschäftsleiter des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Nordoberpfalz bei der Jahrespressekonferenz gleich noch einen Slogan für die Arbeit der Integrierten Leitstelle (ILS) parat. Die Zahlen, die Rast und seine Mitstreiter präsentieren, sind beachtlich.

Pressekonferenz 2017
Gemeinsam stellten (von Links) stellvertretender Leiter Jürgen Meyer, ILS-Chef Herbert Putzer, Landrat Andreas Meier und der Geschäftsleiter des ZRF Nordoberpfalz Alfred Rast den Jahresbericht der Integrierten Leitstelle vor.

Mehr Suizid und Alkohol
Täglich gehen bis zu 350 Anrufe bei der Leitstelle ein – von Alarmierungen bei dramatischen Notfällen bis hin zu Hilferufen von Katzenbesitzern, deren Tiere von einem Baum gerettet werden müssen. 2016 schickt die ILS 85626 Fahrzeuge zu Unfallorten, Bränden oder Kranken. Das sind 1434 mehr als noch im Vorjahr. Chef Herbert Putzer schildert markante Vorgänge. Die Zahl der Kindernotfälle ist demnach in der Nordoberpfalz weiter steigend. 581 Mal (plus 8,2 Prozent) mussten Buben o
der Mädchen hauptsächlich mit Verbrennungen oder Verätzungen in die Klinik gebracht werden. 385 Alkoholvergiftungen bedeuten eine Zunahme von 14,5 Prozent. „Für Partyparolen wie "Saufen, bis der Notarzt kommt‘ habe ich kein Verständnis“, wettert Rast. Die Suizidversuche erreichen mit 140 (plus 38) ebenfalls eine neue Höchstmarke. Allein fünf Lebensmüde wollten von einer Brücke springen. Immer häufiger müssen schwergewichtige Patienten (95) mit einem Spezialfahrzeug transportiert werden. Die 225 Feuerwehren rückten zu 803 Bränden und 2677 Hilfeleistungen aus. 141 Personen können sie retten, für 16 Menschen kommt jede Hilfe zu spät. Am häufigsten sind die Spritzenmänner in Weiden, Tirschenreuth und Eschenbach im Einsatz. Als einzige Wehr wird Speinshart zu mehr Bränden als technischen Hilfeleistungen beordert.

„Christoph 80“ geht 1375 Mal in die Luft. Die Wasserrettung ist 10 Mal gefordert, die Bergrettung 28 Mal. Krisenintervention und Notfallseelsorge werden 170 Mal gebraucht. Die Helfer vor Ort, die die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überbrücken, werden 5691 Mal alarmiert. Nirgendwo in Bayern gibt es so viele HvO wie in den Kreisen Neustadt/WN. und Tirschenreuth.

Pressekonferenz_2017_4_Putzer_Interview

Handyfilm vom Einsatz, handgreifliche Patienten – NoGos findet Meier
Und noch eine Kritik hatte Alfred Rast im Gepäck. „Uns erreichen auch immer wieder komische Anrufe. Während des Blitzeises im Januar, hatten wir einen Mann, der angerufen und sich über eine Straßensperre der Feuerwehr beschwert hat. Er wollte in die Arbeit und verlangte man solle die Sperre entfernen. Abgesperrt wurde hier, weil dort ein Unfall passiert war.“ Darüber müsse er sich schon wundern. Auch die Disponenten hätten es nicht immer leicht. Daran knüpfte auch Landrat Meier an: „Wie sich manche Menschen gegenüber den Einsatzkräften, die für unsere Sicherheit sorgen, verhalten, stößt mir sauer auf.“ Dabei nannte er Angriffe auf Sanitäter, Feuerwehrdienstleistende und Polizisten oder das Phänomen, dass jeder Unfall erst gefilmt oder fotografiert werden muss bevor man ans Helfen denkt. Auch dass Gaffer die Arbeit oft behindern oder es manchen Autofahrern immer noch nicht möglich sei, eine Rettungsgasse zu bilden, stört Meier extrem. „Darüber sollten wir alle einmal nachdenken!“

Pressekonferenz_2017_3_Saal1

Die ILS feiert Jubiläum
Bei all den Notfällen, Verletzten und oft traurigen Nachrichten, gibt es aber auch immer wieder Positives zu berichten. Dabei sind nicht nur Fälle gemeint, die am Ende gut ausgehen. Oder bei denen die Anrufer mit Hilfe der Disponenten einen Menschen reanimieren konnten und ihm so das Leben retteten – 105 mal war das 2016 der Fall. Auch schöne Events, die die Leitstelle betreffen und über die man sich freuen kann wurden genannt: Die Einführung des Digitalfunks, die zahlreichen Besucherführungen durch die ILS, die Aktionen um die 112 bekannter zu machen oder die Feier zum fünften Geburtstag von Christoph 80. Auch in diesem Jahr wird etwas gefeiert: Am 03. November wird die Leitstelle 40 Jahre alt. Dann gibt es einen großen Jubiläumsabend in der Max-Reger-Halle. Der Festakt soll ein ganz besonderer werden. Gemeinsam mit langjährigen Freunden, RD-Durchführenden, Partnern, Feuerwehren, Unterstützern und prominenten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft blickt die Leitstelle und ihre Mitarbeiter zurück auf 40 Jahre Leitstellengeschichte in der Nordoberpfalz. Während der Gala werden Zeitzeugen ihre persönlichen Geschichten teilen. Prominente Gäste erklären, warum sie sich stark für die Sache machen. Eingerahmt werden die Gespräche in ein abwechslungsreiches, unterhaltsames und ebenso berührendes sowie buntes Rahmenprogramm mit namhaften Künstlern.

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