Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 07.06.2013
Funkstille, Alarmierung! - Ein Besuch bei der ILS Nordoberpfalz

07.06.2013 - „Beachten Sie Verbots-, Gebots-, Hinweiszeichen und die Ordnungshinweise Ihrer Begleitperson!“ Freundlich, aber bestimmt bereiten mich die Hinweise der Besucherbroschüre auf meinen Besuch in der ILS Nordoberpfalz in Weiden hin. Ich lese sie aufmerksam, während ich im Vorraum der modernen Leitstelle auf Jürgen Meyer, den Pressesprecher und stellvertretenden Leiter der ILS, warte. Plötzlich kommt er die Treppe heruntergestürzt, streckt mir seine Hand entgegen: „Komm gleich mit, gerade ist viel los!“ Jürgen Meyer hat an diesem Abend Nachtschicht und muss gleich wieder ans Telefon spurten: „Hier ist der Notruf für Feuerwehr und den Rettungsdienst, guten Abend!“, meldet er sich…

Aufmerksam schaue ich mich in der Zwischenzeit im Raum um. Von den sechs Disponentenplätzen sind gerade nur zwei besetzt, der dritte Kollege, der nachts hier Dienst hat, ist gerade in der vierstündigen Bereitschaftszeit, erfahre ich später. Diese ist in den 12-stündigen Schichten vorgeschrieben. Inzwischen ist Jürgen Meyer zurück und wir haben Zeit, uns ein wenig zu unterhalten. Rund 400 mal am Tag klingelt das Notruftelefon - davon sind knapp 10% sogenannte "Hosentaschen-Anrufe", wie sie hier genannt werden: Der Anrufer meldet sich nicht oder die Leitung wird wieder unterbrochen, weil beispielsweise das Handy in der Hosentasche ausversehen den Notruf wählt. Ein ärgerliches Problem, wie ich gleich selbst feststellen muss: Ich darf mit Jürgen Meyer am Dispositionsplatz Platz nehmen und ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. In nur einer Stunde muss er fünfmal einen solchen Anruf entgegen nehmen. „Wir dokumentieren das und speichern die Rufnummern. Wenn das häufiger vorkommt, ermitteln wir die Anrufer und schreiben sie an. Manchmal müssen wir auch Anzeige erstatten, wenn es sich um vorsätzlichen Notrufmissbrauch handelt“, erklärt er mir. Ich frage ihn, ob der große Teil der restlichen Anrufe denn dann alles Einsätze seien. „Nein, zum Glück nicht!“, lacht Jürgen Meyer. Rund 200 Einsätze arbeitet die ILS Nordoberpfalz, die zum Zeitpunkt meines Besuchs übrigens gerade ihren ersten Geburtstag gefeiert hat, täglich ab. Der Rest sind dienstliche Gespräche oder auch Vermittlungstätigkeiten für Bereitschaftsärzte. Auch viele Anfragen, die in einer Integrierten Leitstelle, wo es um Menschenleben geht, eigentlich nichts verloren haben, landen hier: „Die Leute verbinden uns oft noch mit dem Roten Kreuz und fragen zum Beispiel, wo sie ihre Altkleider abgeben können.“ „Zum Glück gibt es mehrere Notrufleitungen“, denke ich.

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Während mir Meyer das erklärt, klingelt erneut das Telefon. Diesmal ist es ein „echter“ Notruf und es wird ernst: In Weiden ist gerade Frühlingsfest, dort ist ein junges Mädchen kollabiert und benötigt medizinische Hilfe. Am Nachbartisch nimmt Meyers Kollege Alexander Ermer, in dieser Nacht der Schichtleiter, das Telefonat an und gibt schnell und routiniert die wichtigen Informationen in den Computer ein. Ich bin überrascht, wie schnell das trotz der vielen Felder in diesem elektronischen Formular geht. „Reine Routine!“, grinst Ermer. Kurz darauf hört man ihn in den Funk sprechen: „Funkstille für Alarmierung!“ Ein Rettungswagen aus Weiden wird alarmiert und meldet sich nur eine Minute später einsatzklar - eines von rund 900 Einsatzfahrzeugen, welche durch diese ILS alarmiert werden können. Grundsätzlich  werden Feuerwehr und Rettungsdienst übrigens auf verschiedenen Funkkanälen abgewickelt. Das ist auch notwendig, man stelle sich nur vor, ein Rettungswagen muss auf seinen Einsatzauftrag warten, weil eine Feuerwehr gerade zu einer Einsatzübung alarmiert wird! 227 Feuerwehren liegen im Zuständigkeitsgebiet der Leitstelle, jedoch nehmen Einsätze des Rettungsdienstes den höheren Zahlenwert ein.

Anders ist dies bei Großschadenslagen wie bei schweren Unwettern. Dann müssen oft viele Feuerwehreinsätze auf einmal alarmiert und abgearbeitet werden. „Letztes Jahr hatten wir einmal bei einem Unwetter über Weiden innerhalb kurzer Zeit über 130 Feuerwehreinsätze“, erinnert sich Meyer. Das kann die Regelbesatzung von maximal vier Mitarbeiten natürlich nicht mehr alleine stemmen. Dann wird die sogenannte Unterstützungsgruppe ILS alarmiert. Dies ist eine Gruppe von entsprechend qualifizierten Leuten, die die sechs Ausnahmeabfrageplätze in einem Nebenraum der Leitstelle besetzen können. Dort unterstützen sie die Disponenten, indem sie die vielen Notrufe entgegennehmen und die Einsätze anlegen. Die Alarmierung übernehmen dann die „regulären“ Kollegen im Funkraum - dank modernster Technik geht das alles schnell und reibungslos. Um fit zu bleiben, muss jeder, der sich in dieser Gruppe engagiert, zweimal im Monat an einer Schicht im Leitstellenbetrieb teilnehmen und entsprechende Aus- und Fortbildungen absolvieren. 

Ich hätte den Disponenten noch lange bei ihrer interessanten und abwechslungsreichen Arbeit zuschauen können. Die Mitarbeiter bestätigen mir: „Keine Schicht ist wie die andere.“ Doch mein Part endet hier und ich muss mich später am Abend wieder verabschieden. Ich kann mich gerade noch bei Jürgen Meyer bedanken, als er schon wieder zum Hörer greift: „Hier ist der Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst…

Ein Bericht von Christoph Tresch (lauffeuer-online.de)

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