Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 30.04.2010 07:30:00
Es ist ein Quantensprung in der Kommunikation

30.04.2010 - Kriminalhauptkommissar Roland Radler kommt fast ein wenig ins Schwärmen, wenn er über die neuen Möglichkeiten des Digitalfunks spricht. Radler ist der Sprecher der Projektgruppe DigiNet, die beim bayerischen Innenministerium die Fäden für die Einführung der neuen Technik in der Hand hält. Bei einem Treffen bei der Weidener Polizei wurde dieser Tage über die künftigen Standorte der Funkanlagen in Stadt und Landkreis diskutiert.

Wenn Rettungsassistenten, Feuerwehrleute oder Polizisten derzeit zum Funkhörer greifen, nutzen sie eigentlich eine uralte Technik. Nicht abhörsicher, nicht die beste Sprachqualität und vor allem ist das Netz nicht einheitlich. So muss der Rettungsdienst in den Landkreisen Neustadt, Tirschenreuth und der Stadt Weiden allein drei Funkkanäle nutzen um eine ausreichende Kommunikation sicherzustellen.
Handfunkgeräte arbeiten zudem in einem ganz anderen Frequenzbereich. Die Feuerwehren haben pro Landkreis einen eigenen Kanal. Mit dem Digitalfunk wird alles anders. Dann gibt es erstmals ein einheitliches Funknetz - teils sogar europaweit.

Ähnlich wie beim Handy gibt es dann Funkzellen. Die Geräte können dann selektiv auch nur einzelne andere Geräte ansprechen, wie beim Walkie-Talkie. So könnte der Kreisbrandrat der gerade in München ist, trotzdem direkt mit seinem Einsatzleiter bei einem Brand in Mitterteich sprechen - per Funk. Es können auch einzelne Gruppen geschalten werden. So hört nicht mehr jeder jeden. Sondern nur noch die, die sich für einen speziellen Einsatz hören müssen. Auch so genannte Überreichweiten wird es nicht mehr geben. Gerade bei schönem Wetter kann es derzeit in Weiden schon mal passieren, dass die Leitstelle Landshut empfangen wird - sie arbeitet auf dem gleichen Kanal.

"Aber auch die Möglichkeit Daten zu übertragen, bringt viele Vorteile", erläutert Radler. Muss bei einer Fahndung derzeit jeder Polizist lauschen und mitschreiben, bekommt er die Beschreibung künftig als Textnachricht auf sein Funkgerät. Zudem haben die neuen Geräte eine spezielle Funktion, die Nebengeräusche filtert. Beim vergangenen Oktoberfest wurde der Digitalfunk bereits getestet. Selbst wenn er direkt neben der Blaskapelle stand, war der Funker glasklar zu verstehen. Doch die Technik hat seinen Preis. 770 Millionen Euro nimmt der Freistaat in die Hand. Dafür wird das Netz aufgebaut, der Betrieb bis 2021 gesichert und die Endgeräte beschafft. Allerdings werden nur die Funkgeräte für Polizei und Katastrophenschutz voll vom Freisstaat übernommen. Feuerwehren und Rettungsdienste werden in der Anfangsphase aber mit 80 Prozent gefördert. "Da wird jeder Kämmerer zuschlagen müssen", hofft Radler. Ein Gerät fürs Auto wird rund 1100 Euro kosten, ein Handfunkgerät ab 350 Euro.

Wenn Feuerwehrleute, Polizisten, oder hier Rettungssanitäter Michael Scharfenberg von der Rettungswache Weiden zum Funkhörer greifen, haben sie so einige Probleme. Die alte Technik hat Qualitätsdefizite und ist nicht abhörsicher. Zudem hat die Industrie die Entwicklung der Technik schon lange eingestellt. Mit dem Digitalfunk soll alles anders werden. Für die Stadt Weiden und den Landkries Neustadt läuft bereits die Planung der Standorte der Funkanlagen.







München ist übrigens schon komplett erschlossen. Ende des Jahres beginnt dort der erweiterte Probebetrieb, Mitte 2011 soll umgestellt werden. In der Stadt Weiden und im Landkreis Neustadt werden derzeit die Standorte für die Funkanlagen geplant. 15 werden es insgesamt, davon 14 im Landkreis. "Ein Sicherheitsnetz für die Bürger." Radler vermeidet bewusst den Vergleich zum Mobilfunknetz. Denn das digitale Funknetz bringt eigentlich eine Erleichterung. Von drei Funkkanälen auf einen in der Nordoberpfalz allein beim Rettungsdienst. Soweit möglich werden die Anlagen auf bestehende Funkmasten mit montiert. "Aber das geht halt nicht überall. Deshalb war das Meeting wichtig, weil uns die Verantwortlichen sagen müssen, wo sie unbedingt eine Versorgung brauchen. Zum Beispiel im Lagerbereich Grafenwöhr." Anhand spezieller Planungssoftware wird dann versucht den idealen Standort zu ermitteln.
Im Landkreis Tirschenreuth soll die Standortplanung bis Jahresende erfolgt sein. "Der Netzaufbau erfolgt dann sukzessive."

Bayern hat sich übrigens vorgenommen, 96 Prozent der Fläche mit dem Digitalfunknetz zu versorgen. Dabei geht man über die Mindestanforderungen hinaus, die nur eine Versorgung vom Fahrzeug aus vorsieht. Bayern will auf allen Autobahnen und in allen Ortschaften mindestens die Kategorie zwei, das heißt eine Funkversorgung für ein Handfunkgerät, das auf Kopfhöhe gehalten wird. In den Großstädten will der Freistaat sogar noch eine Stufe höher. Für die Nordoberpfalz soll Ende 2012 der Probebetrieb starten. Spätestens im August 2013 soll der Digitalfunk dann die Kommunikation auch hier revolutionieren.

Information zum Digitalfunk in Bayern

Bericht: Peter Astashenko
Bild: Jürgen Meyer

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