Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 17.02.2010 00:00:00
Großeinsatz und Evakuierung nach Brand in einem Seniorenheim in Waldsassen

17.02.2010 - Es ist genau das Szenario, dass Rettungskräfte von Bayerischem Roten Kreuz und der Feuerwehr immer wieder üben. Wie lassen sich Seniorenzentren oder Krankenhäuser schnell, sicher und effektiv evakuieren, wenn es zu einem Unglücksfall kommt. Am Morgen des Aschermittwoch nun der Ernstfall in Waldsassen (Kreis Tirschenreuth): Um kurz nach vier Uhr war in einem Zimmer im ersten Stock ein Feuer ausgebrochen. 140 Bewohner und drei Pfleger waren in Gefahr.

     

Um 4.20 Uhr meldete die Polizeieinsatzzentrale Oberpfalz das Feuer an die Rettungsleitstelle des Zweckverbandes. Unter dem Einsatzstichwort "Zimmerbrand im Altenheim" wurden eine Minute später die BRK-Rettungswagen aus Waldsassen, Tirschenreuth und Erbendorf, der Notarzt Waldsassen, BRK-Einsatzleiter Wolfgang Rosner aus Waldsassen und die Schnelleinsatzgruppen des Roten Kreuzes aus Mitterteich und Waldsassen alarmiert. Dies entspricht der nach Alarmplan vorgegebenen vorgesehenen Zahl an Einsatzkräften.

Nur eine Minute später meldete die Feuerwehreinsatzzentrale, dass akut Personen in Gefahr seien. Daraufhin erfolgte einer der größten Alarmierungen der vergangenen Jahre. Um den enormen Aufwand in der Einsatzzentrale zu bewältigen, wurde diese sofort mit zwei Disponenten, die aus der Freizeit geholt wurden, nachbesetzt. Mit vier Disponenten war somit die volle Besetzung gewährleistet.

     

    

Alarmiert wurden schließlich (alles Bayerisches Rotes Kreuz, inklusive Erstalarmierung):
Rettungswagen aus Erbendorf, Kemnath, Marktredwitz, Neustadt, Tirschenreuth, Waldsassen und Wunsiedel; Einsatzleiter Wolfgang Rosner (Waldsassen), Einsatzleiter Christian Stahl (Erbendorf), Organisatorischer Leiter Markus Münchmeier (Plößberg) und Leitender Notarzt Dr. Wolfgang Fortelny (Waldsassen). Dazu Notarzt Dr. Tomas Wiesner (Waldsassen), Notarzt Dr. Mustafa Eisa (Marktredwitz), Notärztin Dr. Simone Meier (Tirschenreuth), Notärztin Susanne Brückner (Tirschenreuth) und Notarzt Gerhard Wührl (Püchersreuth). Die Mobilen Unfallnachsorgen (MUN) Wiesau und Windischeschenbach, die Technischen Dienste aus Tirschenreuth, Weiden und Kirchenlamitz sowie die Schnelleinsatzgruppen aus Bärnau, Erbendorf, Stadt Eschenbach, Kemnath, Marktredwitz, Nagel, Neustadt, Schirnding, Tirschenreuth, Vohenstrauß, Weiden, Wiesau, Waldsassen und Wunsiedel. Schließlich noch die Kriseninterventionsteams aus Tirschenreuth, Weiden und Bayreuth.

Die zuständigen Führungskräfte in den BRK-Kreisverbänden Tirschenreuth und Weiden wurden ebenfalls verständigt.

Um dem regulären Rettungsaufkommen gewappnet zu sein wurde der Rettungswagen aus Fichtelberg nach Neusorg abgestellt, der Rettungswagen des Arbeiter-Samariter-Bundes aus Auerbach übernahm in Pressath die Gebietsabsicherung.

Insgesamt waren vom Bayerischen Roten Kreuz 80 Helfer aus drei Landkreisen im Einsatz.



Ebenso an der Einsatzstelle waren die Feuerwehren aus Waldsassen, Mitterteich, Konnersreuth, Tirschenreuth, Münchenreuth, Querenbach und Kondrau sowie Feuerwehrmänner der Berufsfeuerwehr Eger aus dem benachbarten Tschechien. Die Feuerwehr meldete uns 137 Einsatzkräfte. Zu Rettern wurden auch Beamte der Polizei Waldsassen. Sie waren als erste an der Einsatzstelle und halfen den Pflegekräften, Senioren in Sicherheit zu bringen.

Zum Zeitpunkt des Brandes waren 140 Bewohner im Seniorenheim. Etwa 40 davon in dem betroffenen Stockwerk. Die Bewohnerin des Zimmers in dem der Brand ausbrach konnte sich selbst in Sicherheit bringen. Bei der Bewohnerin des Zimmers in dem der Brand ausbrach handelt es sich um eine 87-jährige Frau. Sie erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung. Ein 49-jähriger Pfleger erlitt ebenfalls eine Rauchgasvergiftung und wurde stationär im Krankenhaus aufgenommen. Eine 81-jährige Bewohnerin erlitt durch die Aufregung internistische Probleme und wurde ebenfalls stationär aufgenommen. Eine 42-jährige Pflegerin des Heims meldete sich ebenfalls mit Atemproblemen. Sie konnte ambulant behandelt werden. Bei der beginnenden Evakuierung wurde auch eine Seniorin tot in seinem Zimmer aufgefunden. Nach Einschätzungen des Notarztes ist der Tod bereits in den Nachtstunden eingetreten und kann mit dem Brandgeschehen keinesfalls in Verbindung gebracht werden.

Als Sammelstelle wurde die Kapelle des Altersheimes genutzt. Bei minus 10 Grad Außentemperatur die optimale Lösung zu diesem Zeitpunkt. Insgesamt wurden 72 Bewohner dorthin gebracht. Jeder Bewohner wurde gesichtet, sprich ärztlich untersucht, um seinen Zustand zu ermitteln und Gesundheitsschäden zum Beispiel durch Rauchgas auszuschließen. Die Helfer des BRK versorgten die Bewohner mit Decken und warmen Getränken. Unterstützt von speziell geschulten Helfern der Krisenintervention, beruhigten sie zudem die Senioren und kümmerten sich auch um geschockte Pflegekräfte.

Mittlerweile konnte eine derzeit ungenutzte Station im Krankenhaus Waldsassen als Notlager ausgemacht werden. Rettungs- und Krankenwägen, aber auch Mannschaftstransporter der Feuerwehr brachten 28 der Bewohner dorthin. Die Betreuung übernahmen im Krankenhaus ebenfalls Rotkreuz-Helfer. In dieses Notlager wurden in erster Linie Pflegefälle und Senioren gebracht, bei denen klar war, dass ihre Zimmer direkt von dem Brand betroffen sind. Zudem konnten so alle Betreuten gut überwacht werden. Bei einem 60-jährigen Mann verschlechterte sich dort im Laufe des Vormittags der Zustand und er musste auf die medizinische Station überstellt werden. Aus Kapazitätsgründen wurde er schließlich in ein anderes Krankenhaus verlegt.

Die Evakuierung selbst war gegen sieben Uhr abgeschlossen. Im Fachjargon begann nach dem Rettungseinsatz der Betreuungseinsatz. Dieser wurde ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern durchgeführt.

Zwischenzeitlich musste durch eine Besichtigung der Brandstelle und des Gebäudes geklärt werden, inwieweit die Bewohner wieder zurück können. Mittlerweile ist klar, dass der erste Stock des Altenheims vorübergehend wohl nicht bewohnbar sein wird. Das Krankenhaus Waldsassen hat jedoch sein Personal aufgestockt und übernimmt für einen Tag die Betreuung der verbliebenen 27 Senioren, die auf der derzeit ungenutzten Station der Klinik untergebracht sind. Andere Betroffene konnten in freie Zimmer innerhalb des Seniorenheims vorübergehend einziehen. Zudem wird wohl das Altenheim St. Maria in Waldsassen für einen gewissen Zeitraum die neue Heimat einiger Senioren. Inwieweit das Rote Kreuz beim Umzug der Patienten in den nächsten Tagen noch hilft, ist derzeit nicht bekannt.

Um 10 Uhr rückten die die letzten Helfer des Roten Kreuzes aus Krankenhaus und Altenheim ab. Altenpfleger und Pflegekräfte des Krankenhauses übernehmen die weitere Betreuung.

Die Polizei schätzt den Schaden auf eine halbe Million Euro.

     

     

Bericht: Peter Astashenko
Bilder: bk-media.de, Der Neue Tag, Feuerwehr Waldsassen

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