Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 16.02.2015
Telefonreanimation rettet Leben!

16.02.2015 - 120 Sekunden. So viel Zeit vergeht zwischen dem Klingeln des Telefons in der Integrierten Leitstelle und dem Alarm für den Rettungsdienst. Der Disponent am Telefon muss erkennen, ob der Patient bewusstlos ist und ob er atmet. Liegt gar ein Herzstillstand vor, „zählt jede Sekunde“. Ein bayernweit einheitlicher Leitfaden hilft jetzt, dass der Anrufer präzise Anleitungen zur Wiederbelebung eines Notfall-Patienten bekommt.

Täglich sterben in Deutschland etwa 300 Menschen den plötzlichen Herztod. Bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde. Bereits nach fünf bis zehn Sekunden werden die Patienten bewusstlos, nach etwa 45 bis 60 Sekunden tritt der Atemstillstand ein. Zwar ist der Rettungsdienst in der Regel innerhalb zwölf Minuten vor Ort, doch bis dahin verstreicht wichtige Zeit. Schon nach drei Minuten kann es zu irreversiblen Schäden im Gehirn kommen.

Der Ersthelfer vor Ort hat eine ganz wichtige Rolle. Doch da liegt der Knackpunkt. In Deutschland wird zu wenig geholfen. Bei Herz-Kreislauf-Stillstand wird in nur rund 20 Prozent der Fälle Erste Hilfe durch einen Laien geleistet. Das ist ausbaufähig, erklärt Dr. Josef Kick, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im ZRF Nordoberpfalz. Er und sein Kollege Dr. Florian Neuhierl haben deshalb die einheitliche Gesprächsanleitung zur Telefonreanimation für Bayern, zusammen mit den ILS Multiplikatoren Florian Schwamberger, Wolfgang Maier, Christian Pecher und Stefan Kloss, in der ILS Nordoberpfalz geschult und eingeführt.

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Wer die 112 in der Nordoberpfalz wählt, wird ab sofort im Notfall bei einer Herz-Druck-Massage Unterstützung bekommen. Das ist zwar jetzt nicht neu – ober standardisiert! Denn auch den anderen 25 Integrierten Leitstellen in Bayern wird künftig die selbige Telefonreanimation angeboten. Die einheitliche Gesprächsanleitung zur Wiederbelebung unterstützt den Disponenten und gibt ihm die nötige Sicherheit in der belastenden Situation. Auf dem Computer klickt er sich durch die einzelnen Anweisungen, die er dem Anrufer mitteilt. Dadurch entsteht eine aktive Gesprächsführung. Der Disponent findet so heraus, was passiert ist, und ob eine Herz-Druck-Massage notwendig ist.

So funktioniert die Herz-Druck-Massage
Notruf 112 wählen, Person ansprechen oder leicht an der Schulter rütteln, Atmung überprüfen. Zeichen für einen Atemstillstand: keine Atemgeräusche, keine Bewegung des Brustkorbes.

Atmet die Person nicht mehr, mit der Herz-Druck-Massage beginnen. Neben den Betroffenen in Höhe des Brustkorbs knien, den Ballen einer Hand auf das untere Drittel des Brustbeins platzieren, in die Mitte des Brustkorbs. Den Ballen der anderen Hand auf die erste Hand aufsetzen. Nun die Arme strecken und senkrecht von oben mindestens 5 bis 6 cm tief drücken, etwa 100 bis max. 120 Mal pro Minute (etwa zweimal pro Sekunde).

In den neuen Leitlinien für die Reanimation durch Laien ist die Beatmung durch den Mund oder die Nase bei der Wiederbelebung in den Hintergrund gerückt. In internationalen Studien wurde festgestellt, dass eine beständige Herz-Druck-Massage wichtiger ist. Oft befindet sich nach einem Kreislaufstillstand noch genug sauerstoffreiches Blut im Körper, das zum Gehirn gelangen kann, wenn man die Herzdruckmassage macht.

Fehler - Fehlanzeige
Falsch machen kann man bei der Wiederbelebung übrigens nichts, sagt Dr. Josef Kick. „Sollte zum Beispiel eine Rippe brechen, ist dieses weder schlimm, noch kann der Ersthelfer dafür belangt werden. Falsch ist nur, nichts zu unternehmen“.

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