Zweckverband für Rettungsdienst und
Feuerwehralarmierung Nordoberpfalz

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Meldung vom 27.02.2010 00:00:00
Griff zur Geldbörse statt zum Handy

27.02.2010 - Bei Polizei und Rettungsdiensten ist das Kürzel ICE, außer als Bezeichnung für den Zug, weitgehend unbekannt. Immer wieder umlaufende Ketten-Mails werben darum, nach diesen drei Buchstaben die Nummer von Angehörigen im Handy-Telefonbuch einzutragen. Die Rettungsdienste, so heißt es, könnten damit im Falle eines Unfalls (englisch: In Case of Emergency) schnell einfacher Verwandte oder Freunde benachrichtigen.

"Wir brauchen es nicht", lautet die klare Aussage von Peter Astashenko, Pressesprecher der ZRF-Rettungsleitstelle Weiden. Der Rettungsdienst kümmert sich zunächst einmal um die Versorgung von Verletzten. In 13 Jahren als Sanitäter habe er noch kein einziges Mal das Handy eines Patienten durchgesehen. "Ein Polizist wird nicht im Handy nachschauen", pflichtet ihm Polizeipressesprecher Thomas Plößl bei.

Infos zur Behandlung
Wichtig sei Astashenko und seinen Kollegen der Griff nach der Geldbörse. "Hier finden wir Allergiepass, Blutspende- oder Marcumar-Ausweis und darin wichtige Informationen zur Behandlung." Meist enthalte es zumindest bei Leuten aus dem deutschsprachigen Raum auch Hinweise auf Angehörige.

Peter Astashenko schließt sich deshalb der Meinung an, die ihm auch vom Arbeiter-Samariter-Bund bekannt sei: "Ein Zettel im Portemonnaie ist besser als eine Telefonnummer im Mobiltelefon." Schmunzelnd fragt er, "ob ein Handy überhaupt einen schweren Verkehrsunfall überlebt".

Patient im Blick
Wenn der Verletzte ansprechbar ist, teile er in aller Regel selbst mit, wen man informieren solle, berichtet Astashenko von seinen Erfahrungen an Unfallstellen. "Ist er nicht ansprechbar, geht es uns primär um den Patienten." Für die Benachrichtigung der Angehörigen ist in aller Regel die Polizei zuständig.

Ähnlich argumentiert auch Dr. Manfred Hausel. "Wenn jemand hier eingeliefert wird, kümmern wir uns zunächst um den Patienten und seine Verletzungen." In einem ICE-Eintrag im Mobiltelefon sieht der Ärztliche Direktor des Klinikums Weiden keinen Vorteil für seine Mitarbeiter.

Personalien klären
"Wir hatten auch noch nie ein Problem damit, zu erfahren, wen wir behandeln." Nach Unfällen komme die Polizei ins Krankenhaus, kläre die Personalien und informiere zumeist die Angehörigen persönlich, so Hausel.

Persönliche Information
Das Telefon sei dazu ungeeignet ist er sich mit Astashenko und Plößl einig. "In manch einem Fall haben wir gleich den nächsten Patienten", weiß Astashenko. Weil solch eine Nachricht oft ein Schock für die Angehörigen ist, nehmen die Beamten der Polizei vor allem bei Todesfällen oder ganz schweren Verletzungen möglichst einen Notfallseelsorger mit, wenn sie zu Eltern, Ehegatten oder Kindern der Verunglückten müssen.

Quelle: Der neue Tag, ui
Bild: Jürgen Meyer

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