Zweckverband für Rettungsdienst und
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Meldung vom 19.05.2011 09:35:53
Im Hubschrauber zum Kollaps

19.05.2011 - Dienstagvormittag. Ein Schüler kollabiert. Vielleicht der Kreislauf? Oder Schlimmeres? Die Lehrer rufen die „Rettung“. Und die kommt überraschend aus der Luft. Der Rettungshubschrauber „Christoph 80“ der DRF Luftrettung landet auf dem Sportplatz hinter dem Neuen Rathaus. Ist das nicht etwas übertrieben?

Peter Astashenko, Sprecher der Leitstelle Nordoberpfalz, räumt auf mit dem landläufigen Missverständnis, dass der „Christoph 80“ nur fliegt, wenn etwas „Schlimmes“ passiert ist. „Am Dienstagvormittag war kein anderer Notarzt mehr frei“, erklärt Astashenko, selbst Rettungsassistent am „CH 80“. Der Notarzt aus dem Weidener Klinikum und der Kollege aus Neustadt waren beide anderweitig im Einsatz. „Dann kommt der Notarzt eben aus der Luft.“ Der Hubschrauber-Standort ist der achte Notarztstandort der Nordoberpfalz.

Der Einsatz des Hubschraubers ist dabei nicht unbedingt teurer. Der bodengebundene Notarzt mit Rettungswagen kostet pauschal 668 Euro, egal wie weit er fährt. „Christoph 80“ wird in Flugminuten abgerechnet. Astashenko weist daraufhin, dass das gesamte Rettungswesen in Deutschland ohnehin „nur“ ein bis drei Prozent aller Ausgaben des Gesundheitswesen ausmacht. „Ein bis drei Prozent – im Notfall entscheiden die über Leben und Tod, über geheilt oder schwer beeinträchtigt.“

Astashenko sieht keine großen Reibungspunkte bei den Zuständigkeiten. „Der Hubschrauber nimmt den Notärzten am Boden nichts weg. Er ergänzt das System.“ Der Latscher Notarzt springt ein, wenn die Kollegen aus Weiden und Neustadt zeitgleich gebunden sind. „Wir sind eben auf dem Land.“ Wichtig ist die schnelle Hilfe aus der Luft gerade im Stiftland: „Es gibt Tage, da ist in Tirschenreuth tagsüber kein Notarzt verfügbar.“ Entscheidend ist der Ein satz auch, wenn es darum geht, Patienten schnell in Spezialkliniken zu bringen. „Das kann viel Schaden abwenden.“



Oft in Weiherhammer
Häufig übernehmen die Latscher Notfälle inWeiherhammer und Mantel: „Weil wir einfach schnell da sind. Wir sind in zwei Minuten dort, der Rettungswagen braucht meist zehn. Bis dahin ist der Patient versorgt.“ In Bayreuth gehört der Hubschrauber bei ganz „normalen“ Einsätzen zum gewohnten Bild. Dort gibt es noch weniger Notärzte als in der Region Weiden. Peter Astashenko: „Wenn dort der Christoph 20 kommt, wundert sich keiner mehr.“ Und überhaupt: Diskussionen über Kosten und Konkurrenz hin oder her. „Im Notfall geht es um ein Menschenleben“, sagt der Rettungsassistent. „Und wo der Notarzt dann her kommt ist egal: Hauptsache er kommt und zwar schnell.“ Die Zeiten, in denen Hubschrauber nur für schwere Unfälle da waren, seien vorbei. „Und was ist die berühmte ,Bagatelle’?“, fragt Astashenko: „Wenn meine Oma keine Luft mehr bekommt und der Hubschrauber in fünf Minuten mit Notarzt da ist, stört mich der Hubi nicht, auch wenn das ganze Dorf zusammenläuft.“

Bericht: Christine Krämer (Der Neue Tag)
Bild. ILS Nordoberpfalz (Archiv)

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